Global Political Economy

Spannendes und skurriles aus Politik und Wirtschaft

Friday, April 07, 2006

Schwedischer Fußball und deutsche Zwangsprostitution

In einem Bremer Stadtmagazin wurde bereits vor einigen Wochen darüber berichtet, dass sich sämtliche schwedischen Nationalspieler dazu verpflichtet haben, während ihres Aufenthaltes in Deutschland aufgrund der Fußballweltmeisterschaft, nicht die Angebote von Prostitutierten in Anspruch zu nehmen. Hintergrund dieser Geschichte ist, dass in Schweden Prostitution verboten ist, wobei sich die Kunden und nicht die Prosituierten selbst strafbar machen. Nun berichtet Lautgeben.de darüber, dass in Schweden diesem Zusammenhang nun Boykott der Fußball WM diskutiert wird. Der schwedische Ombudsmann für Gleichstellung schätzt, dass im Zuge der WM 10.000 bis 40.000 Frauen gegen ihren Willen in Deutschland zur Prostitution gezwungen würden. Weiter führt er aus:
Der Sport und insbesondere der Fußball hat ja eine riesige Breitenwirkung. Ich bin selbst Fußballfan. Und diese Breitenwirkung könnten wir jetzt nutzen und sagen: Schweden nimmt nicht an einer Veranstaltung teil, die den Sklavenhandel fördert.
Sicherlich kann man dies für eine extreme Position halten und die schwedische Nationalmannschaft ist nun nicht unbedingt für die deutsche Gesetzgebung verantwortlich. Dennoch ist es wohltuend zu sehen, welchen Stellenwert dieses Thema in Schweden hat. Eine ähnliche Diskussion würde Deutschland sicher nicht schaden.

Ich BILD dir deine Meinung

Bild hetzt mal wieder gegen Ausländer. Heute findet die Kampagne ihren Höhepunkt indem sieben "Warheiten" über die deutsche Ausländerpolitik benannt werden. Demnach sind Ausländer kriminiell, dumm und liegen dem Staat auf der Tasche:
Jeder dritte Mord, jede dritte Vergewaltigung und jeder dritte schwere Raub wird von einem Ausländer begangen Zu wenig Kontrollen auf Sozialmißbrauch. Asylbewerber geben falsche Identitäten an („Donald Duck“), können nicht abgeschoben werden. Deutsche und Ausländer aus anderen Staaten werden verdrängt, Häuser verwahrlosen, die Kriminalität steigt – weil sich manchmal nicht einmal mehr die Polizei in solche Viertel traut. Ohne Ausbildung wird die Arbeitslosigkeit zur Sackgasse, ganze Familien leben dauerhaft von Sozialleistungen.
Herzlichen Glückwunsch zu diesem Meisterstück des investigativen Journalismus, ihr Schreibtischtäter.

Branche mit Zukunft

Einige Sicherheitsfirmen sehen ihre Zukunft in den zunehmenden Konflikten zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern:
Firms such as AFI International Group Inc. - a Milton, Ont.-based corporate security outfit that specializes in what it calls "labour dispute management services" - see a possible increase in labour strife and are betting the future for their business is rosy.
Die Tätigkeit der Firmen im Umfeld dieser Konflikte umfasst folgende Aufgaben:
[...] they can provide general security, help to move management, picket-line crossers and goods in and out of a facility, or gather evidence to be used to obtain court injunctions on picket lines.
Leider enthält der Artikel keine Informationen darüber, ob in Deutschland bereits ähnliche Angebote existieren.

Thursday, April 06, 2006

Böse Erinnerungen

Silvio Berlusconi sieht sich vom Bösen umringt. Drei Tage vor der Parlamentswahl legte sich Italiens Premier mit dem größten Teil der italienischen Gesellschaft an. Gerichte, Presse, Geschäftswelt und Banken hätten sich gegen ihn verschworen.
Das hatten wir doch erst vor kurzem. Ob Italien demnächst auch im Gassektor aktiv wird?

Wieso die Franzosen streiken und wir nicht...

Wer sich darüber wundert, dass in Frankreich die Menschen in den Straßen protestieren und in Deutschland nicht, obwohl die Lockerung des Kündigungsschutzes hierzulande wesentlich radikaler als in Frankreich ist, sollte vielleicht einen Blick auf eine aktuelle Umfrage zum Thema freie Marktwirtschaft werfen. Demnach sind nur 36 Prozent Prozent der befragten Franzosen davon überzeugt, dass die freie Marktwirtschaft das beste System für die Zukunft der Welt ist. In Deutschland sind hingegen 65 Prozent dieser Meinung. Der Durchschnitt in allen 20 in der Umfrage einbezogenen Ländern beträgt 61 Prozent.

Machtverhältnisse zwischen Arbeit und Kapital

Im Guardian findet sich ein interessanter Artikel zum Thema globale Arbeitskraft. Der Autor Andrew Glyn stellt die These auf, dass die steigenden Investionen transnationaler Unternehmen in Länder mit einem hohen Anteil an verfügbarer Arbeitskraft (China, Indien) dazu führen wird, das Machtverhältnis zwischen Arbeit und Kapital drastisch zu verschieben.

Insiderhandel der Banken

Mein Bruder schreibt eine Studienarbeit und fragt mich ob ich Materialen zu seinem Thema habe. Leider habe ich mich aber noch nie mit dem Wertpapierhandel von Banken und den damit verbundenen Risiken des Insiderhandels beschäftigt. Der GBV hilft leider auch nicht viel weiter. In den Medien scheint das Thema hingegen durchaus präsenter zu sein.

Wednesday, April 05, 2006

Insektenarbeit ist Milliarden wert

Das wunderbare an Mainstream-Ökonomen ist, dass sie wirklich alles in Geld beziffern können. Neuesten Forschungen zu Folge auch den Beitrag der Insekten zur US-Ökonomie:
US-Forscher hat gemeinsam mit einem Kollegen ausgerechnet, wie wertvoll zumindest ein Teil der Arbeit der Insekten ist. Das Ergebnis: Leistungen im Wert von 57 Milliarden Dollar (47,3 Milliarden Euro) jährlich tragen die Krabbeltiere Jahr für Jahr allein zum Wohlergehen der US-Wirtschaft bei.
Die Insekten bestäuben Pflanzen, fressen Ungeziefer, halten das Weideland in Schuss und fungieren als Nahrung für Wildtiere. Ich bin schon jetzt auf ähnliche Ergebnisse aus Deutschland gespannt.